Wie erkenne ich gutes Olivenöl?

Wie erkenne ich gutes Olivenöl?

Gutes Olivenöl erkennt man an drei Merkmalen: frischem, pflanzlichem Duft, Bitterkeit auf der Zunge und einem Kratzen im Hals beim Schlucken. Was viele als Fehler deuten, sind tatsächlich die verlässlichsten Qualitätszeichen.

Du brauchst dafür keine Laborausrüstung. Nur Nase, Gaumen und zu wissen, was du suchst.

Wie riecht gutes Olivenöl?

Der Duft ist das erste und wichtigste Qualitätsmerkmal. Gutes Olivenöl riecht frisch und pflanzlich: nach frisch gemähtem Gras, grünen Mandeln, Artischocken, unreifen Tomaten oder Tomatenblättern, manchmal leicht zitrusartig. Bei bestimmten Sorten kommen Noten von Kaffee oder Gartenkresse dazu.

 

Was es nicht riechen darf: ranzig, muffig, nach alten Nüssen, Butter, Fensterkitt oder Essig. Diese Aromen sind keine Geschmackssache. Sie sind Fehler, die auf beschädigte, überreife oder unsachgemäß verarbeitete Oliven hinweisen.

Der häufigste Irrtum: Viele Menschen halten den typischen Geruch verdorbener Öle für den normalen Olivenölduft, weil sie nie ein gutes Öl unter der Nase hatten. Wer einmal ein frisches Extra Vergine gerochen hat, macht diesen Fehler nie wieder.

Wie schmeckt gutes Olivenöl?

Im Mund zeigen sich zwei Merkmale, die viele irritieren, tatsächlich aber Qualitätszeichen sind.

Bitterkeit auf der Zunge. Sie entsteht durch Polyphenole, natürliche Antioxidantien der Olive. Je früher die Ernte, desto mehr davon sind im Öl. Bitterkeit ist kein Fehler, sie ist ein Frischeindikator.

Kratzen im Hals. Dieses Kratzen, das beim Schlucken entsteht und kurz an Peperoncino erinnert, wird ebenfalls von Polyphenolen verursacht. Ein Öl ohne dieses Kratzen hat entweder wenig Polyphenole oder ist alt.

Was hingegen ein Warnsignal ist: ein flacher, neutraler Geschmack ohne jede Bitterkeit oder Schärfe. Solche Öle klingen harmlos, haben aber meist wenig von dem, wofür gutes Olivenöl steht.

Woran erkennst du gutes Olivenöl an der Farbe?

Farbe allein sagt wenig, aber sie gibt Hinweise. Ein leuchtendes, lebendiges Öl, ob goldgelb oder grünlich, ist ein positives Zeichen. Trübe oder bräunliche Farbe deutet auf fortgeschrittene Oxidation hin, also auf Ranzigkeit.

Ein weit verbreiteter Irrtum: Trübes Öl gilt als natürlicher und gesünder. Das ist falsch. Frisch gepresstes Öl ist tatsächlich trüb, weil Wasser und gelöste Substanzen noch enthalten sind. Qualitativ hochwertiges Öl wird jedoch direkt nach der Extraktion gefiltert, weil diese Trübung die Haltbarkeit reduziert. Klares Öl ist also kein Zeichen von Industrieverarbeitung, sondern von sorgfältiger Herstellung.

 

Was sagt das Etikett über die Qualität aus?

Weniger als du denkst. Das Etikett garantiert keine Qualität. Weder Bio-Zertifikat noch Ursprungsbezeichnung noch die Aufschrift "nativ extra" bedeuten automatisch, dass das Öl gut ist.

Was aussagekräftiger ist: der Jahrgang. Olivenöl ist ein Pflanzensaft. Je kürzer die Zeit zwischen Ernte und Genuss, desto besser Geschmack und Inhaltsstoffe. Das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt wenig, weil der Gesetzgeber dem Produzenten dabei freie Hand lässt. Ein Öl mit Erntejahr-Angabe ist transparenter als eines ohne.

Was ein schlechtes Zeichen ist: fehlendes Erntedatum und fehlendes Abfülldatum. Denn Olivenöl wird umso besser, je frischer es ist.

Wie findest du gutes Olivenöl ohne Verkostung?

Der zuverlässigste Weg bleibt die eigene Wahrnehmung beim Verkosten. Aber wenn du vorab filtern willst:

Kauf bei Händlern, die die Öle selbst kennen und erklären können, warum sie ein bestimmtes Öl führen. Kauf aktuelle Ernten, nicht Restbestände. Meide Öle ohne Jahrgangsangabe. Und: Scheu den Preis nicht. Gute Produzenten zahlen hohe Produktionskosten, besonders in Nord- und Mittelitalien. Die Preise für ein gutes Öl ab Mühle kostet starten zwischen 15 und 20 Euro für die Halbliterflasche. Was deutlich darunter liegt, erkauft den Preis meist auf Kosten der Qualität.

Was ich bei Öldorado dazu sage

Ich verkaufe kein Öl das ich nicht selbst verkostet habe. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Jedes Öl im Sortiment hat meinen sensorischen Prüfprozess durchlaufen, und kein Öl kommt rein, weil es auf dem Papier gut aussieht.

Wenn du nicht weißt wo du anfangen sollst: Ich empfehle ein Starterpaket mit zwei oder drei Ölen aus unterschiedlichen Geschmacksprofilen. So lernst du beim Vergleichen am schnellsten, was den Unterschied macht. [Link zur Kategorie oder Starterpaket]

Häufige Fragen

Woran erkenne ich gutes Olivenöl ohne Verkostung?
Schau auf den Jahrgang, nicht nur das MHD. Kauf bei Händlern, die die Herkunft und den Erntezeitpunkt kennen und erklären können. Meide Öle ohne Erntejahr-Angabe und Öle, die deutlich unter 15 Euro für die Halbliterflasche liegen. Was darunter liegt, lässt sich zu diesem Preis nicht in guter Qualität herstellen.

Warum kratzt gutes Olivenöl im Hals?
Das Kratzen kommt von Polyphenolen, den natürlichen Antioxidantien der Olive. Es ist ein Zeichen für frühzeitige Ernte und hohen Polyphenolgehalt. Kein Kratzen bedeutet meistens: wenig Polyphenole oder altes Öl.as Kratzen kommt von Polyphenolen, den natürlichen Antioxidantien der Olive. Es ist ein Zeichen für frühzeitige Ernte und hohen Polyphenolgehalt. Kein Kratzen bedeutet meist: wenig Polyphenole oder altes Öl.

Ist bitteres Olivenöl schlecht?
Nein. Bitterkeit ist ein Qualitätsmerkmal, kein Fehler. Sie entsteht durch Polyphenole und zeigt an, dass das Öl aus früh geernteten, gesunden Oliven stammt. Ein völlig bitterloses Öl hat meist wenig von dem, wofür gutes Olivenöl steht.

Ist trübes Olivenöl besser als klares?
Nein. Frisch gepresstes Öl ist zunächst trüb, qualitativ hochwertiges Öl wird jedoch direkt nach der Extraktion gefiltert. Klares Öl ist ein Zeichen sorgfältiger Herstellung, keine Industrieware. Trübes Öl bei Raumtemperatur kann auf Wasserreste hinweisen, die die Haltbarkeit reduzieren.

Was bedeutet "nativ extra" auf dem Etikett?
Nativ extra ist die höchste gesetzliche Qualitätskategorie für Olivenöl. In der Praxis erfüllen aber viele als "nativ extra" verkaufte Öle die sensorischen Anforderungen nicht. Die Kategorie allein garantiert keine Qualität, sie ist eine Mindestanforderung, keine Auszeichnung.

Wie viel kostet gutes Olivenöl?
Gute Produzenten erhalten ab Hof zwischen 15 und 20 Euro für die Halbliterflasche. Im Handel liegt der Preis für ein korrektes, fehlerloses Extra Vergine kaum unter 20 bis 30 Euro. Was deutlich darunter liegt, lässt sich zu diesem Preis schlicht nicht in guter Qualität herstellen.

Wie riecht gutes Olivenöl?
Frisch und pflanzlich: nach frisch gemähtem Gras, grünen Mandeln, Artischocken, unreifen Tomaten oder Tomatenblättern. Bei bestimmten Sorten kommen Noten von Kaffee oder Gartenkresse dazu. Was es nicht riechen darf: ranzig, muffig, nach alten Nüssen, Butter, Fensterkitt oder Essig. Das sind Fehler, keine Geschmackssache.


Du willst wissen was gutes Öl in der Praxis bedeutet? Komm zu einem Tasting in Offenbach oder probier dich durch meine  Starterauswahl.


Nina Ubeda Cruz ist Olivenöl-Sommelière und sensorische Prüferin. Jedes Öl im Sortiment wird vor dem Kauf mehrfach verkostet und nach dem Leone-d'Oro-Standard bewertet.

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