Petrousa: Wie Dimos und Steffi griechisches Olivenöl neu erfunden haben

Petrousa: Wie Dimos und Steffi griechisches Olivenöl neu erfunden haben

Die ehrliche Diagnose

Es gibt Entscheidungen, die werden nicht einfach so getroffen. Sondern weil das Herz ganz laut danach ruft.

2018 setzten sich Dimos und Steffi hin und sprachen über eine Idee, die die meisten in ihrem Umfeld für absurd hielten: Sie wollten in Griechenland ein Olivenöl produzieren, das wirklich gut ist. Eines ohne Defekte, ohne Fehler.

Dimos hat Wurzeln dort. Seine Familie lebt in Petrousa, einem kleinen Dorf im nördlichen Hinterland Griechenlands, in der Nähe von Thessaloniki. Das Dorf, das ihrer Brand ihren Namen gibt.


Was sie zu Beginn herausfanden, war kein schöner Befund. Es gibt kein gutes griechisches Olivenöl. Das klingt hart, ist aber die Wahrheit, mit der ich selbst jahrelang gekämpft habe. Zu späte Ernten, veraltete Technik, ein gewaltiger Abstand zu den Top-Ölen aus Italien oder Spanien. So groß, dass ich die Hoffnung irgendwann aufgegeben hatte, und offenbar nicht nur ich: Die Produzenten, mit denen Steffi und Dimos zu Beginn in Kontakt traten, bestätigten genau dieses Bild.

Also machten sie das, was Menschen in dieser Situation manchmal tun: Sie lernten. Reisten nach Italien. Verkosteten dort zunächst die Qualität, die sie kannten, dann bessere, dann immer bessere. Bis zu dem, was man in der Olivenwelt ein Null-Fehler-Öl nennt.

Und es haute sie regelrecht aus den Socken.

Ich kenne dieses Gefühl. Ein paar Jahre zuvor hatte auch ich zum ersten Mal ein Null-Fehler-Öl verkostet. Ich saß vor dem Glas, starrte hinein und verstand die Welt nicht mehr. Wie kann Olivenöl so schmecken? Warum habe ich das nicht gewusst?


Jetzt erst recht

Was folgte, war der Wunsch, genau dieses Öl aus Griechenland zu produzieren. Wenn es das noch nicht gab, würden sie es herstellen.

Sie wurden belächelt. Für verrückt erklärt.

Auch das kenne ich. Ähnliche Reaktionen hatte ich, als ich erzählte, was ich mit Öldorado vorhabe. Und ich weiß, was dieser Moment macht: Er befeuert genau das, was er brechen soll. Jetzt erst recht.

Also legten sie los. Lernten alles. Begleiteten Spitzenmüller bei der Ernte. Investierten in eine eigene Mühle. Und haben seit vier Jahren ein eigenes Öl, das schon in der zweiten Saison so außergewöhnlich war, dass es beim Leone d'Oro in den Finals gelandet ist.

Was für ein Senkrechtstart.


Was Ernte bedeutet, wenn du es wirklich ernst nimmst

Während der Ernte sind Dimos und Steffi so eingebunden, wie es nur ein Ölmüller sein kann, der selbst alles im Blick hat. Schlaf gibt es wenig. Die ganze Familie hilft mit. Jede Olive wird einzeln kontrolliert. Nur was wirklich in die Verarbeitung darf, darf hinein.

Das klingt romantisch. Es ist vor allem Arbeit.

Momentan produzieren sie ein reinsortiges Chalkidiki-Öl, die charakteristische Sorte der Region. In Zukunft wollen sie sich breiter aufstellen.


Was passiert, wenn die Chemie stimmt

Ich habe Dimos und Steffi im Februar 2026 beim Leone d'Oro kennengelernt. Liebe auf den ersten Blick. Wir haben uns stundenlang köstlich amüsiert.

Und vor kurzem kamen sie ins Öldorado, brachten ihr Öl vorbei. Standen ganz ehrfürchtig im Showroom. Betrachteten andächtig die Flaschen der anderen Produzenten. Und ihre Augen waren voller Stolz, als sie ihre eigene Flasche in diesem Regal sahen.


Sie brauchen sich nicht zu verstecken. Was sie in kürzester Zeit aufgebaut haben, ist groß. Gegen alle Widerstände, alle Zweifler, alle die sagten, das sei nicht möglich.

Ich habe Gänsehaut beim Schreiben dieser Zeilen, weil mich ihr Weg so sehr an meinen eigenen erinnert. Und weil ich genau weiß, wie schwer und wie wunderschön es gleichzeitig sein kann.


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