14. Februar 2023. Valentinstag auf der Biofach. Ein Glas Olivenöl. Und Freudentränen.
Ich war auf der größten Messe für Biolebensmittel der Welt. Ich hatte bereits einige Olivenöle probiert, nicht alle davon waren lecker. An einem unscheinbaren Stand fiel mir eine leuchtend grüne Flüssigkeit in einem Weinglas auf. Natürlich musste ich probieren.
Ich habe kein Pokerface. Besonders nicht wenn es um Olivenöl geht. Mir ist sofort anzusehen ob ich etwas lecker finde oder nicht. Und manchmal finde ich etwas so unfassbar gut, dass mir vor lauter Freude Tränen in die Augen schießen.
Genau das ist passiert. Ich schaute auf und sah: ebenfalls tränengefüllte Augen. Paolo und Sergio, die beiden Produzenten hinter diesem Öl, waren genauso gerührt wie ich.
Das ist mir noch nie passiert.

Eine Begegnung die Zeit anhält
Es ist laut auf solchen Messen. Turbulent, überwältigend. Aber plötzlich wurde es still um uns herum. Wir drei waren wie elektrifiziert, und uns allen war sofort klar: hier passiert gerade etwas.
Die beiden baten mich an ihren Tisch und zeigten mir auf ihrem Laptop Bilder ihrer Olivenhaine und der Region. Wir verloren uns über fast eine Stunde in Gesprächen. Ich hätte am liebsten den ganzen Tag dort verbracht.
Sergio stammt aus Spanien, Paolo aus Italien. Zusammen führen sie eine Ölmühle auf Sizilien und verarbeiten dort für ihre Länder jeweils typische Sorten zu einem gemeinsamen Cuvée. Ein Öl aus zwei spanischen Sorten, Arbequina und Picual, und zwei sizilianischen, Nocellara und Biancolilla. So etwas hatte ich noch nie probiert.
Sizilien, April 2024: was ich dort gesehen habe
Ein gutes Jahr nach unsrer ersten Begegung auf der Biofach war ich auf der Farm. 115 Hektar Olivenhaine in einem Stück, mitten in einer der ärmsten Regionen rund um Palermo. Und mittendrin die Mühle.
Was mich am meisten beeindruckt hat, war nicht die Größe. Es war ein Detail: Paolo und Sergio haben mit etwa 60 Jahren 48.000 neue Bäume gesetzt. Bäume deren Hochphase sie selbst nicht mehr erleben werden.
Das ist keine Investition in die eigene Zukunft. Das ist ein Geschenk an eine Region die es dringend braucht. In einer Gegend wo die Menschen wirklich nicht viel haben, legen zwei Männer mit ihrer Arbeit den Grundstein für etwas das weit über sie selbst hinausgeht.
Ich war sprachlos.
Warum dieses Öl so gut ist
Die durchschnittliche zusammenhängende Parzelle für Olivenanbau beträgt auf Sizilien weniger als 2 Hektar. Bei Miceli & Sensat sind es 115 Hektar in einem Stück, mit der Mühle genau in der Mitte.
Das bedeutet: vom Baum zur Mühle vergehen bei der Ernte maximal dreißig Minuten. Kein anderer Produzent den ich kenne schafft das schneller. Und das ist entscheidend, denn ab dem Moment in dem die Olive den Baum verlässt, beginnt der Zerfallsprozess. Je schneller sie verarbeitet wird, desto frischer, fruchtiger und polyphenolreicher das Öl.
Der Boden kommt dazu: sehr reich an Mineralien, äußerst fruchtbar. Und in einer kleinen Ecke der Farm wuchsen bereits Nocellara-Bäume, heute etwa 80 Jahre alt. Paolo hat sie von seinem Onkel geerbt. Gemeinsam entschieden die beiden, auf einem großen Teil der Fläche neue Olivenbäume anzupflanzen.
Die durchschnittliche Fläche mag beeindrucken, aber was mich wirklich umgehauen hat: die aktuell 48.000 Bäume sind noch nicht alles. Sie sind noch nicht fertig. Seit ein paar Jahren ist Paulos Neffe Andrea mit dabei und unterstützt die beiden tatkräftig. Er steht ihnen in Hingabe und Einsatz um nichts nach.

Was ich von ihnen im Sortiment führe
Ich führe aktuell drei Öle von Miceli & Sensat, und ein weiteres kommt bald dazu.

Das Verde Bio ist mein meistverkauftes sizilianisches Öl. Fruchtig, lebendig, mit einer Frische die man sofort schmeckt. Es ist der direkteste Ausdruck dieser Farm.
→ Zum Verde Bio
Das Unico Bio ist das reinsortigste der drei. Eine Picual, ausschließlich aus spanischen Wurzeln, auf sizilianischem Boden gewachsen. Das ist Sergios Handschrift in einer Flasche.
Das Uciuri Bio ist das konzentriertere der beiden. Intensiver, mit mehr Tiefe, für alle die wissen was sie wollen.
